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19.08.2006: Abenteuer am Berg

Strecke: In Calceranica al Lago

45 Fotos

Bus: 191966 km - 191988 km

MTB: 0 km; 0 Hm

Fuß: 7 Std; 1095 Hm

Bernhard:

Nach der MTB-Tour gestern wollen wir heute wandern. Nachdem es gestern nicht über 2000m gereicht hat, will Ines heute nochmals die Tour, die wir schon am 16.08. geplant hatten, gehen. Also fahren wir zum Startpunkt auf 1100m. Von dort laufen wir los. Es ght steil aber auf angenehm weichem Waldboden bergauf. Nach einer halben Stunde begegnen uns einige Wanderer beim Abstieg. Der Himmel verdunkelt sich und keine 5 Minuten bevor es losgeht, kommen wir an einer Hütte vorbei, bei der wir untersitzen können. Dann hagelt es kieselsteingroße Eisbrocken. Keine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei und es scheint wieder die Sonne. Wir setzen unseren Aufstieg fort. Zunächst führt der Weg durch den Wald und dann oberhalb der Baumgrenze durch hüfthohes Gebüsch. Leider ist der Pfad so schmal daß die nassen Pflanzen meine Hose komplett durchnäßen. Nach 2:17 Std sind wir oben am Kamm auf etwa 1975m. Das ging relativ zügig. Wir machen erstmal Vesperrast. Dann gehen wir weiter Richtung Becco di Filadonna. Der ist mit 2150m unser Ziel für heute. Nach ein paar Metern bemerke ich leider, daß mein Rücken bei jedem Schritt abwärts oder in der Ebene schmerzt. Also nehme ich eine Tablette. Wir überlegn kurz, ob wir sofort wieder absteigen sollen, da wir nicht wissen wie der Weg auf dem geplanten Abstieg zu gehen ist. Aber wir entscheiden, den geplanten Weg fortzusetzen, da so die Tablette noch etwas Zeit hat zu wirken, bevor wir absteigen. Die Tablette wirkt gegen die Rückenschmerzen, nur leide ich auch an den Nebenwirkungen für den Magen. Wir erreichen nach 1,5 Std den Becco di Filadonna. Das ist schroffer steiler Fels. Wir fotografieren und ziehen uns etwas trockenes über. Dann haben wir Schwierigkeiten, den richtigen Abstieg zu finden. Das glückt dann aber doch. Der Weg führt zwar durch sehr steiles Geländer, ist aber relativ gut begehbar. Mein Rücken ist fast schmerzfrei und auch der Magen hat sich beruhigt. Jetzt fängt das rechte Knie an, bei jedem Schritt über eine Stufe zu schmerzen. Also gehe ich wie ein kleines Kind immer mit dem rechten Bein zuerst. Es ist schon relativ spät und ich habe sorge, daß wir nicht mehr bei Tageslicht unten ankommen. Wir gehen so schnell es geht. Um 20 nach acht erreichen wir das Rifugi Casarotta auf 1572m. Der Hüttenwirt meint, wir würden es gut in 40min ins Tal schaffen. Er hat offenbar keine Sorge, daß es Nacht wird bevor wir unten sind, da er sich in aller Ruhe und Ausführlichkeit mit Ines über das Wetter unterhält. Ich treibe zum Aufbruch. Anfangs geht es gut, doch es wir immer dunkler. Wir bekommen so langsam eine Vorstellung, wie ein Sehbehinderter mit dem Stock den Weg ertastet. So machen wir es auch, so lange wir noch Umrisse im Restlicht erkennen können. Die Autos auf der Straße sind schon lange zu hören. Zwei oder dreimal gehen wir auf eine Lichtung zu und glauben, daß dies bereits die Straße sei. Als nichts mehr zu erkennen ist, fällt mir ein, daß in meinem Fahrradrucksack, den Ines aufhat, das Rücklicht sein müßte. Wir kramen tastend das Rücklicht hervor und versuchen damit, den Weg auszuleuchten. Das funktioniert zum Glück immerhin leidlich. Nach einer Ewigkeit kommen wir in die Nähe der Straße. Die letzten Meter im Wald sind mehr Waldweg als alpiner Wanderweg und werden von den Lichtern der Bar an der Straße soweit ausgeleuchtet, daß wir das Rücklicht ausmachen können. Überglücklich erreichen wir die Straße und marschieren die paar Meter (ca. 1,5km)zum Bus. Ich glaube, ich war noch nie so froh, auf einer asphaltierten Straße wandern zu dürfen. Um viertel vor 10 sind wir am Bus. Wir ziehen die Stiefel und Socken aus, schlüpfen in unsere Schlappen und trinken jeder einen Liter Wasser bevor wir losfahren. Auf dem Campingplatz hüpfen wir ohne Essen unter die Dusche und dann sofort ins Bett. Ich kann nicht schlafen, so daß ich nach einer Stunde noch eine Packung Neapolitaner verdrücke und eine halbe Flasche Rotwein aus der Flasche trinke. Dann hoffe ich, kann ich schlafen.

Ines:

Das ist nun der zweite Versuch den 2000er zu bezwingen. Das Wetter ist besser als beim letzten Mal, wir können in kurz starten. Mit dem Bulli-Bus fahren wir bis an den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es geht gleich schön steil, aber auf weichem Boden durch Tannenwald in die Höhe. Erst kommt uns sehr eilig ein Päarchen entgegen und bald darauf eine Familie. Wir sind bei sonnigem Wetter gestratet. In der Zwischenzeit müssen sich über unserem Zielberg Wolken aufgetürmt haben, die wir durch den dichten Wald nicht sehen. Als wir auf eine Lichtung kommen, auf der ein Hüttle steht, sieht man die dunklen Wolken und ein weiteres Päarchen begibt sich schnell talwärts. Wir warten kurz und beschließen, die Wolken ziehen zu lassen. Welch eine weise Entscheidung, denn es fängt kurz darauf an zu hageln. Und wie kann es dann sein, eine halbe Stunde später scheint wieder die Sonne. Der Aufstieg ist sehr steil wird bald sehr alpin. Was als Karrenweg in der Kompasskarte eingezeichnet ist, ist nur ein Trampelpfad. Ich sag ja "Kompass", ob die je hier waren. Möchte sehen, wie die hier nen Karren hoch bringen. Es ist sehr anstrengend und ich bin froh, die Stöcke dabei zu haben. Außerhalb des Waldes macht uns das niedere Gestrüpp, was den Weg fast verdeckt pitschnass an den Beinen. Die sich bietenden Ausblicke sind traumhaft. Aber wie auch immer, meint man, der Weg endet nie. Oben auf dem Kamm, von dem es dann doch noch eine ganz schöne Strecke bis zum Gipfel ist, verspern wir erst mal und sputen uns, denn der Nachmittag ist doch schon ganz schön fortgeschritten. Nachdem Bernhard über Rückenprobleme klagt, würde ich gern wieder absteigen. Er meint, mit einer Tablette ginge es und der Weg vom Gipfel ins Tal, würde die gleiche Zeit in Anspruch nehmen. Nun gehen wir weiter und er Weg zieht sich. Es geht wieder etwas bergab und dann steil hinauf. Die Sonne scheint und macht es schön warm. Ich stell mir vor, hier oben nach dem Mittag anzukommen, in der Sonne zu sitzen oder liegen, sich ne Stunde erholen und dann weiter. Aber dafür ist keine Zeit. Endlich sind wir am Gipfel, zumindest ist das Gipfelkreuz in greifbarer Nähe. Ich kanns nicht lassen, wenigstens ein paar wenige Fotos zu schießen. Es ist unglaublich. Viel zu wenig Zeit, um das aufzunehmen. Schnell was warmes an und abwärts. Nur wo gehts lang. Irgendwie finden wirs dann doch, nachdem wir den Gipfel fast umlaufen haben. Als Bernhard ein Stück feldein ging, hab ich einen Wegweiser nicht vollständig gelesen, denn es war ja nur wichtig zum Gipfel zu kommen, dachte ich. Aber kein großer Rückweg und der Abstieg folgt auf der anderen Seite. Es bietet sich ein bizzares Bild. Ein riesiger Berghang mit verkohlten Baumresten. Wie Monster ragen die verbrannten halbhohen Kiefernbüsche an der Felswand hervor. Der Abstieg ist steil, sehr schmal und mit ein paar höheren Absätzen ganz gut zu bewältigen, was nicht heißt, er ist leicht. Man muß sich schon sehr konzentrieren. Ich glaube, dass wir es im Hellen und gut aus dem Wald schaffen. Immer wenn Bernhard "Scheiße" brubbelt krieg ich ein schlechtes Gewissen. Dann zieht auch noch eine Wolke aus dem Tal zu uns auf. Ich beruhige, dass die, wenn wir drin sind schlimmer aussah. Als wir wieder in den Wald eintauchen wird es natürlich von der Helligkeit her schlechter. Bernhard fragt mich ein paar mal, ob ich wissen will, wie spät es ist. Ich will es erst am Bus wissen! Endlich sind wir an der ersehnten Hütte! Das Schild prophezeit uns noch eine Stunde Weg. Wir trinken was und er Hüttenwirt kommt heraus. Es wird gelabert. Er meint, der Weg ist gut und wir schaffen es in 40 min.. Na dann flott. Der Weg ist natürlich nicht gut. Hinzu kommt, im Wald ist es dunkel und der Boden feucht, so dass der von Wurzeln nicht zu unterscheiden ist. Die Felsen und Steine sind zum Glück hell. Ich komm mir bald vor wie Hänsel und Gretel. Es wird so verdammt schnell richtig duster. Die Wegmarkierung ist ein roter und weißer Strich. Diese ist häufig angebracht und so beruhigt es, immer noch richtig zu sein. Irgendwann geht es nur noch mit dem Stock tastend. Ohnen die Dinger wären wir sehr hilflos. Man kann ein wenig erahnen, welche Hilfe der Stock für Blinde sein muss, um sich zu orientieren. Immer wieder erscheint eine Lichtung und ich hoffe, es ist die Straße. Dann sehen wir ein Haus, aber daran kommen wir nicht vorbei, leider. Ich hab einen wahnsinnigen Schiss! Ich bin der Meinung, wir müssen hier im Wald übernachten. Welch Hölle! Ich werd fahrig und irgenwann rutsche ich auch aus und sitze mit dem Hintern im Dreck. Aber nix passiert. Nur wieder konzentrieren. Bernhard erinnert sich an sein Rücklicht im Rucksack. Ich ärgere mich, in meinem Mini-Rucksack, wenn ich den genommen hätte und auf meinen Foto verzichtet, wäre Vorder- und Rücklicht. Ich tu das nach unserem letzten Urlaub nimmer raus. Aber daran hab ich beim packen nicht gedacht, als mir Bernhard seinen Rucksack anbot. Ich glaub, es nimmt kein Ende. Mit dem Rücklicht geht es besser. Bernhard sieht etwas, wo er hingeht und ich dabbel hinterher. Er läuft zu schnell und wenn er mehr als paar Schritte von mir weg ist, krieg ich die Panik.
Irgendwann sieht man den Autotunnel leuchten, wo der Bus steht. Es dauert noch eine Weile und wir sind an der Bar und endlich auf der Straße. Ich will nur noch zum Bus. Wir müssen noch ein Stück die Straße lang und zum Glück kommen wenig Autos und das Rücklicht tut zum Glück noch.
Ich bin heil froh und glaube, dass wir unseren Schutzengel ganz schön strapaziert haben. Ich will an garnichts mehr denken. Der Hüttenwirt hat recht, um 11 am Berg sein und um 3 wieder runter. Aber das der Depp uns in die Dunkelheit hat gehen lassen ist auch doof. Er hätte uns ja wenigsten warnen bzw. eine Taschenlampe leihen können, die wir in der Bar abgeben. Wir haben uns versprochen, das wir so etwas nicht wieder machen! Ich dachte, der Urlaub geht diesmal ohne Abenteuer ab und hab schon gedacht, wir wären groß geworden.
Ich brauch nix mehr zu essen, duschen und schlafen ist alles!

Verspechen für alle Ewigkeit: Nie wieder so leichtsinnig zu sein!

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