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Dienstag, 11.08.2009, Camping "Gameragna", Loc. Gameragna, Stella, Ligurien, IT

Bernhard

Gut ausgeschlafen wache ich auf und es ist Kaiserwetter. Wir frühstücken schön draussen und überlegen, was wir heute unternehmen können, bzw, wohin wir heute biken können. Den Touren und Beschreibungen aus unserem Heft trauen wir nicht mehr so recht, aber die Tour 13 führt zu einem interessanten Ziel in erreichbarer Entfernung, dem "Monte Beigua" mit einer Höhe von 1285m.
Ich studiere die Straßen und Wege für eine mögliche Tour zum Monte Beigua auf meiner Topografischen Karte von TTQV. Die erste Enttäuschung ist, dass sich in der fraglichen Gegend ein halbes Dutzend Montes und Brics auf meiner Karte finden, aber keine Monte Beigua. Dafür sieht es so aus, als könnten wir auf kleinen Asphaltstraßen über Sanda, Brasi und S.Martino nach Alpicella und dort eine schöne Runde drehen in der Gegend des Monte Beigua auf rund 1200 m. Ich plane die Route mit TTQV auf der Topo 25K vom Campingplatz grob nach Alpicella und dann die Runde. Am Ende sind es rund 36 km und ich übetrage die Route auf das Navi. So fahren wir los. Bis Alpicella geht es sehr gut, es sind rund 11 km und dann geht es bergauf. Ich schwitze wie ein Profi bei der Tour de France auf dem Schlussanstieg zu einer Bergankunft der höchsten Kategorie, nur fahre ich auf dem kleinsten Kettenblatt und viel langsamer. Wir haben etwas wenig zu trinken dabei, aber irgendwann kommen wir doch oben an. Der Monte Beigua ist voll mit militärischen Antennen-Masten. Das GPS zeigt und loggt auch seltsame Positionssprünge. Vermutlich ist der Ort so geheim, dass er nicht in meiner Karte eingezichnet werden darf.
Dort gibt es ein Restaurant. Wir kaufen 3L Aqua Minerale und 2x Eiscreme. Dazu gibt es Apfel, Banane und Müsliriegel für jeden. So gestärkt machen wir uns auf die Abfahrt.
Rund 1 km nach dem Gipfel macht sich das GPS bezahlt. Es geht rechts ab auf einen steinigen Karrenweg. Das kommt unerwartet laut Karte, aber was solls. Irgendwann auf der Abfahrt ist der Akku vom Navi alle und dann wird der Weg auch immer schmaler und schließlich unfahrbar. Ich seh uns schon bis zur Abenddämmerung durch die Pampa stolpern, wär ja nicht das erste Mal. Der Weg wird wieder breiter und endet in einer T-Kreuzug auf einem betonierten Weg. Der Wanderweg, dem wir bishergefolgt sind, geht bergauf. Ich fahre ein Stück bergab, um heraus zu finden, ob wir so nach Alpicella kommen. Zum Glück finde ich eine Frau,die ich fragen kann. Sie spricht weder deutsch noch englisch, aber mit Händen und Füßen können wir uns verständigen. Ich will gerade wieder hochfahren, um Ines zu holen, da kommt sie schon angefahren. Jetzt geht es zügig bergab auf Asphalt nach Alpizella und dann Richtung Campingplatz.
An der letzten Anhöhe hatten wir auf dem Hinweg einen schönen unbefestigten Weg direkt nach Gameragna entdeckt und den nehmen wir. Was für ein Fehler: der Weg wird immer schmaler und steiler und es liegen kinderkopfgroße Steine auf dem Weg, so dass wir wieder mal ganz schön schieben. Als wir auf dem Campingplatz sind, verdrücke ich als erstes den Rest Ravioli, während Ines duscht und Klamotten wäscht. Nachdem auch ich geduscht bin, gibts heute wieder lecker Pizza: zweimal Napoletana mit Kapern und Sardellen. Die ist so schön salzig und damit genau richtig für heute, wo wir beide so viel geschwitzt haben. Dazu gibt es wieder eine Flasche Rosé mit Aqua Minerale con Gaz als Schorle. Beschwipst gehen wir ins Bett und ich schlafe trotz Boccia-spiel und Party auf dem Platz schnell ein.

Ines

Es weckt uns wieder super schönes Wetter und der Duft von frischen süßen Teilchen. Unsere Franzosennachbarn: zwei Womos auf nem Platz für einen sind auch wieder ganz kauzige Leute.
Heute fahren wir eine große Runde auf einen großen Berg, oh wie schön.
Nun ja, es dauert ganz schön lang, bis wir oben sind und manchmal kann man schon ans aufgeben denken. Unser Wasservorrat ist heute zu knapp. Dann fahren wir auch noch in eine riesige Wolke. Es sieht gruselig aus. Das ist ja super, da quält man sich hier rauf und dann sieht man nix. Schon bei der Auffahrt bis hierher geht es immer nur durch Wald. Zum Teil ist er tunnelartig gewachsen. Kein Blick auf das was wir schon geschafft haben.
Aber wir bleiben hartnäckig, wir fahren weiter. Laut Höhenmeter fast am Ziel, riecht es auf einmal nach Pommes. Um die letzte Ecke und wir sehen ein Gebäude und vermuten, dass es sicher für die Soldaten hier oben was zu futtern gibt, nur wir leer ausgehen werden. Hier stehen riesige Sendemasten mit unzähligen Schüsseln. Nur noch eine Kurve und, und, und es ist ein Lokal. Bernhard ersteht drei Flaschen Wasser und zwei Schleckeis. Das Wasser ist so kalt, dass man es kaum trinken kann.
Wie lustig, die Italiener fahren hier hoch zum Sonnenbaden hoch. Auf der großen Wiese liegen sie auf Liegen und bruzeln. Mit der Aussicht wurde es dann auch noch was. Auf der einen Seite Wolken und auf der anderen seite Berge, Dörfchen, blauer Himmel und Meer.
Die Rückfahrt geht auf einem Feldweg sehr holprig voran. Laut Karte sollte das ähnlich sein wie die Auffahrt. Aber was solls, ändern kann mans nicht. Irgendwann wird dann aus dem Weg ein Trampelpfad mit großen Felsbollensteinen. Schieben ist mal wieder angesagt. Zur Krönung versagt das Navi - kein Saft mehr. Ich glaub dran, wir schaffens auch so. Doch dann hört die Markierung auf. Hoch oder runter, dass ist hier die Frage. Bernhard fährt runter und erkundet. Er kommt und kommt nicht wieder. Nun zweifel ich an mir, ob ich ihn richtig verstanden habe. Er steht vielleicht unten und wartet auf mich. Nun, ich fahre los und komme an einem Häuschen vorbei und von hinten ruft es: "Ines.". Runter ist jedenfalls richtig, so hat es Bernhard mit Händen und Füßen von der Frau aus dem Haus erfahren. Na dann nach Alpizella.
Von hier aus ist es nicht mehr weit. Da gibt es ja diesen Feldweg, der auch zum Campingplatz führt. Wir wagen es und hätten doch die Finger davon lassen sollen. Warum? Wir schieben wieder mal. Nein, Memmen sind wir nicht, aber das ist schon als Wanderweg sehr abartig. Was die hier alles als MTB-Weg bezeichnen ist eine Frechheit!
Unser Abendessen steht auch schon fest: Pizza!
Wir haben wieder neue Nachbarn. Nun an uns kann es bisher nicht gelegen haben, denn mit denen klappt das nachbarschaftliche Verhältnis. Nun ja, es sind Deutsche.
Geduscht und geschnigelt lassen wir uns unsere Pizza schmecken. Es ist genauso amüsant wie beim ersten Mal. Und es wird auch wieder Boccia gespielt.

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